Auf der Suche nach vServern für verschiedene Zwecke habe ich mal einige Anbieter ausprobiert und unter verschiedenen Aspekten getestet:

 

Verschiedene Einsatzzwecke

Backupserver

Hier sind die Anforderungen moderat. Die Systeme sollen wenig kosten, Standard-Images (z.B. Debian Wheezy) sollen sich per Klick installieren lassen. Eine automatische Provisionierung via Ansible soll möglich sein. Die Daten sollen auf einem RAID liegen, ein Backup der virtuellen HDD durch den Anbieter ist nicht nötig.

Produktivserver (Webserver, Entwicklungsserver etc.)

Hier liegen die Anforderungen schon höher.

Hardwareanforderungen

Als Hardware sollte „echte“ Serverhardware zum Einsatz kommen. Aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit mit Hostern, welche einfach nur bessere Desktop-Hardware verbauen, ist das ein absolutes Muss. Das fängt bei den verbauten Mainboards an – bei den „Desktop-Hardware-Hostern“ hatte ich bereits mehrere Systeme, die recht unstabil waren und mit zufälligen Abstürzen zu kämpfen hatten.

Unverzichtbar ist hier der Einsatz von Enterprise-Festplatten, welche für den Dauerbetrieb im RZ ausgelegt sind (und natürlich im RAID-Verbund betrieben werden). Vorzugsweise sind das schnelle SAS-Systeme, aber auch SATA-Raid-Systeme mit SSD-Cache sind inzwischen eine echte Option geworden. Wünschenswert ist auch der Einsatz von ECC-RAM.

Systemanforderungen

Als Betriebssystem kommt bei mir in der Regel Debian Wheezy zum Einsatz. Wünschenswert ist eine Partitionierung in System und Daten. Der Einsatz von Swap-Space sollte möglich sein. Essentiell für meinen Einsatzzweck ist die Unterstützung von CGroups und ein aktueller Kernel (z.B. Wheezy-Backport-Kernel), damit der Betrieb von Containern auf LXC- bzw- Docker-Basis möglich ist.

Support

Kompetenter und schneller Support ist für Produktivserver essentiell, um bei Problemen und Ausfällen schnellstmöglich reagieren zu können. Telefonische Erreichbarkeit ist hier ein großer Vorteil.

Strato

Strato hat mit seinen Linux-VServern ein interessantes Angebot, welches sich auf den ersten Blick gut für meine Produktivserver eignen würde:

  • HP Storage Systeme mit SSD-Cache
  • ausreichend Disk-Space, RAM und CPU-Leistung
  • vollautomatisches tägliches Backup der gesamten VPS mit 10 Tagen Vorhaltezeit

Die Bereitstellung des Servers hat etwas mehr als einen Werktag gedauert.

Leider hat sich schnell herausgestellt, dass die OpenVZ bzw. Virtuozzo-basierten VPS weder CGroups noch Swap unterstützen. Auch das Vollbackup hat sich als unbrauchbar herausgestellt, da nur ein Komplett-Restore möglich ist. Der Zugriff auf einzelne Dateien vie FTP o.ä. ist nicht möglich.

Das Einspielen eines Backups bzw. das Neueinrichten eines Systems kann einige Stunden dauern – im Notfall ist das eine sehr ärgerliche Verzögerung.

Die Antworten auf meine Anfragen an den Support wurden erst nach mehr als einem Werktag beantwortet – für mich keine akzeptable Zeit.

Als sehr positiv empfand ich die 30-Tage-Geld-Zurück-Garantie. Da der Server für meinen Einsatzzweck unzureichend war, habe ich diese in Anspruch genommen und konnte die Bestellung ohne Probleme und Kosten rückabwickeln.

Fazit Strato

Als Hoster für meine Backups würde ich die Strato-VServer in Erwägung ziehen. Für meine Produktivserver sind sie leider ungeeignet.

Contabo

Contabo bietet sehr preiswerte VServer auf KVM-Basis an. Die Hardwareausstattung ist ausreichend, das kleinste System für derzeit 7,99€/Monat ist mit 2 vCores, 6 GB Ram, 500 GB Festplattenplatz ausgestattet.

Da keine Angaben zur verwendeten Hardware gemacht werden, habe ich eine Anfrage nach dem verwendeten Storage (SAS oder SATA, Consumer oder Enterprise-HDDs, Verwendung von ECC-RAM)  an Contabo gesendet. Obwohl ich die Anfrage um 21:00 Uhr gestellt habe, kam die Antwort innerhalb von 10 Minuten:

[…] Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir detaillierte Angaben zur Hardware und Architektur, die zum Einsatz kommt, nicht herausgeben dürfen. Wir verwenden eine „full virtualization“ Lösung auf Basis von KVM und nutzen ausschließlich Hardware, die dem aktuellsten Stand der Technik entspricht. Leider kann ich Ihnen keine weitergehenden Informationen geben.[…]

Leider ist die Antwort sehr unbefriedigend und lässt darauf schließen, dass Consumer-Hardware zum Einsatz kommt.

Bevor ein System freigeschaltet wird, muss die erste Zahlung via Vorkasse erfolgen (spätere Zahlungen sind beispielsweise auch per Bankeinzug möglich). Dies geht dank Paypal-Unterstützung auch sehr schnell, so dass mein Server nach wenigen Stunden verfügbar war.

Dank KVM unterstützen die Server alle Funktionen, die ich für einen Produktivserver benötige (eigener Kernel, CGroups etc.). Leider werden die Images ausschließlich mit einer großen Partition angeboten. Ein Umpartitionieren wäre via Rescue-System möglich, da ich meine Server aber alle automatisch provisionieren möchte, habe ich auf diesen zusätzlichen manuellen Schritt verzichtet. Auch eine manuelle Debian-Installation via VNC wäre möglich – der Support hat mir dazu schnell und kompetent Auskunft gegeben.

Aufgrund der schwammigen Antwort bezüglich der verwendeten Hardware habe ich entschieden, zunächst einige Contabo-VPS als Backupserver einzusetzen und damit den Anbieter etwas näher kennen zu lernen. Der Eindruck, den ich dabei gewinnen konnte ist recht durchwachsen. Technische Anfragen wurden immer schnell und k0mpetent beantwortet. Die Bestellung von weiteren Servern verlief recht zäh, da von 2 bestellten Servern einer übersehen wurde. Antwort auf die entsprechenden Supportanfragen dauerte wesentlich länger als auf die technischen Anfragen.

Anhand der ausgestellten Rechungen lässt sich ohne weiteres ersehen, welche Posten  auf welchem Wege beglichen wurden (z.B. via Vorkasse per Paypal, Lastschrift) – das Steuerbüro wird es freuen. Zum Glück gilt das nur für die Erstrechnung, alle Folgerechnungen werden dann mit einer einzigen Zahlungsart beglichen. Dass die Einzelposten Brutto ausgewiesen werden, ist für geschäftliche Rechnungen zumindest ungewöhnlich.

Interessant war auch, dass der Reverse-DNS-Records eines neuen Servers noch den Domainnamen des Vorbesitzers der IP enthielt.

Sehr ärgerlich ist, dass das Server-Control-Panel keine Servernamen oder Aliase zulässt, so dass die Liste der VPS schnell sehr unübersichtlich wird.

Fazit Contabo

Von der Technik (KVM) und vom technischen Support her bietet Contabo eine sehr gute Plattform zum sehr günstigen Preis. Ohne konkrete Aussagen zur verwendeten Hardware werde ich den Dienst jedoch ausschließlich für Test- und Backupsysteme verwenden.

Netcup

Netcup bietet Linux vServer mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis an. Meine Anfragen bezüglich der verwendeten Hardware wurden schnell und kompetent beantwortet. So kommt dort neueste Marken-Server-Hardware zum Einsatz. Die Virtualisierung erfolgt auf KVM-Basis, so dass ein eigener Kernel mit allen notwendigen Funktionen verwendet werden kann.

Besonders interessant sind für mich die Systeme der Generation 1-3 – diese bieten sehr viel Storage, welcher auf SAS-RAID-Arrays basiert. https://www.netcup.de/vserver/vserver-gen1-3.php Bei den neueren Systemen hat man die Wahl zwischen viel SATA-Speicher oder wenig SSD-Speicher.

Die Funtionalität zum Einspielen von System-Images ist vorbildlich. Beim Debian Wheezy Image gibt es beispielsweise die Auswahl zwischen verschiedenen Config-Panels oder einer Minimal-Installation. Bei der Partitionierung kann man zwischen einer großen Partition oder einer kleinen System- und einer großen Datenpartition wählen. Wem das an Flexibilität nicht ausreicht, kann neben eigenen Installer-ISO-Images auch gleich komplette (KVM-) System-Images hochladen und verwenden.

Die Verwaltungsoberfläche ich übersichtlich und gut bedienbar. Durch Vergabe eigener Aliase lassen sich auch größere Mengen an vServern verwalten.

Netcup bietet die Möglichkeit, Snapshots laufender oder ausgeschalteter vServer zu erzeugen und zu verwalten. Da diese jedoch auf dem selben Storage-Medium gespeichert werden,  wie das System, ersetzen sie kein Backup – um dieses muss man sich also selbst kümmern. Alternativ bietet Contabo die vServer auch als Managed-Server an – einschließlich Backup, wenn gewünscht.

Ein sehr positives Bild hinterließ auch die Bestellabwicklung. Eine Zahlung per Lastschrift ist möglich, was lange nicht mehr selbstverständlich ist. In den meisten Fällen erhielt ich die Zugangsdaten zum bestellten Server bereits kurz nach Bestellung bzw. bei der Erstbestellung kurz nach Bestätigung der Einzugsermächtigung per E-Mail oder Fax.

Eine weitere Besonderheit ist, dass alle vServer derzeit ohne Einrichtungsgebühr und mit einer  Mindestvertragslaufzeit von einem Monat angeboten werden – so dass man diese ohne Risiko testen kann. Durch Verwendung eines der folgenden Gutscheincodes auf der entsprechenden Bestellseite lassen sich nochmals 5€ im ersten Monat einsparen:  36nc14192681016, 36nc14192681012, 36nc14192681015, 36nc14383365990, 36nc14383365991 (gültig August/September 2015). Weitere Gutscheine sind im entsprechenden Post zu finden.

Fazit Netcup

Nectup ist für meine Belange mit Abstand der beste der getesteten vServer Anbieter. Der Support ist schnell und zuverlässig. Die vServer sind von hoher Qualität – und hat mich so überzeugt, dass ich die vServer von Contabo inzwischen mehrfach weiterempfohlen habe.

And the winner is…

Klarer Gewinner des Tests für den Produktivbetrieb sind für mich die vServer von Netcup. Backups und Testsysteme lasse ich bei Contabo laufen. So habe ich meine Daten zur Not immer noch bei einem zweiten Anbieter.

Die Angebote von Strato konnten mich hingegen nicht überzeugen.